Das Kurfürstenthum Hessen, Verlag Gustav Georg Lange, Darmstadt 1852

Bei diesem 1852 erschienenen Buch waren die Autoren anonym. Offensichtlich war aber Georg Landau an den Texten wesentlich beteiligt. Der untenstehende Text enthält Fehler. Elisabeth wurde im Alter von 4 Jahren im Frühherbst des Jahres 1211 an den Thüringer Hof gebracht. Bei der Übergabe in Pressburg war der Ritter Walter von Vargula Mitglied der thüringschen Gesandtschaft, welche Elisabeth abholte. 1228 ist das Jahr, in dem Elisabeth von Thüringen nach Marburg übersiedelte.

"....Durch die Dichtkunst in ihren Ahnen, wie in ihren Nachkommen, verherrlicht, ist schon der Ursprung der Schenken ein so poetischer, daß er seines Gleichen nicht mehr haben dürfte. Als nämlich die h. Elisabeth 1228 aus Ungarn nach Marburg zog, war in ihrem Gefolge auch ein schlichter Biedermann namens Walther, den die fromme Landgräfin, da sie während des Zuges seinen Sinn für Barmherzigkeit erkannte, zum Ritter schlug. Geadelt durch die Hand eines zarten, heiligen Weibes, das Max von Schenkendorf die Zier der deutschen Frauen nennt, männlich und ritterlich ausgezeichnet in seinem Thun, blühte das edle Geschlecht Walthers bald so ruhmvoll empor, daß es seine Glieder schon früh mit den höchsten Würden des Staates und der Kirche betraut war. Kaum hatten zwei seiner Sprossen, als Burgmannen von Marburg, im Thale der Ohm die Burg Schweinsberg erbaut und sich darnach Herrn v. Schweinsberg genannt, als Guntram 1246 von König Heinrich Raspe mit der Würde des hessischen Erbschenkenthums bekleidet wurde und den Namen Schenk zu Schweinsberg annahm, welchen seine Nachkommen noch heute führen.....“


Burg Schweinsberg heute

Vor der Umwandlung in Eigentumswohnungen war Burg Schweinsberg der Stammsitz der Schencken seit dem 13. Jahrhundert. Nach der Zerstörung im Dreißigjährigen Krieg drohte mehrmals der völlige Verfall. Jahrzehntelang, sogar jahrhundertelang (Fähnrichsbau) waren die Gebäude nicht bewohnt. Die hohen Kosten der Wiederherstellung und Instandhaltung konnten von einer einzigen Familie oft nicht aufgebracht werden.

1997 entwarf E. Damm, der damals schon den Fähnrichsbau bewohnte, ein neues Nutzungskonzept für die Kemenate, den Fähnrichsbau und die Freiflächen. In einem zeitaufwendigen Prozess mit Denkmalpflege und Kreisbauamt wurden die Häuser der Burg in Teileigentum umgewandelt. Die an diesem Prozess beteiligten Familien haben über den Erwerb hinaus mit großem Idealismus erheblich Mittel in die Renovierung investiert, sodass alle Wohnungen der Burg ausgesprochene Schmuckstücke geworden sind. Die Wirtschaftskraft von insgesamt fünf Familien, die jetzt in Burg Schweinsberg wohnen, stellt sicher, dass die aufwendige Instandhaltung der Anlage mit einem normalen Budget pro Familie möglich ist. Der weitere Erhalt der Burg ist damit gesichert. In einer der insgesamt sechs Eigentumswohnungen (der sog. "bel étage") wohnt nach wie vor eine Familie von Schenck.

Die immer wieder geäußerte Vorstellung, eine Anlage wie Burg Schweinsberg müsse von einer einzigen (adligen) Familie bewohnt werden, zeugt von geringen historischen Kenntnissen. Auf den Ganerbenburgen (Ganerbe = Miterbe) des Mittelalters wohnten die verschiedenen Linien einer adligen Familie oft so beengt, dass die Nutzung von Gebäuden und Flächen durch aufwendige Verträge geregelt werden musste.

Dr. jur. Friedrich Karl Alsdorf hat in seiner Veröffentlichung in Burgen und Schlösser, 1978/II unter dem Titel "Ganerbenburg und Wohnungseigentum" gezeigt, dass das alte Ganerbensystem mit dem modernen Wohnungseigentum eine sehr enge juristische Verwandtschaft aufweist. Nur die jeweils dahinter stehenden Absichten waren verschieden. Die Schaffung des WEG sollte nach dem Zweiten Weltkrieg den Erwerb von preiswertem Wohnungseigentum fördern, während die Ganerbschaften auf die Erhaltung und Stärkung einzelner Ritterfamilien hinsichtlich Besitz, Einfluss und Vorrechten ausgerichtet waren.


Kontakt

Verantwortlich für www.burgschweinsberg.de ist Dr. Erik Damm, Fähnrichsbau Burg Schweinsberg.

email: burgpost@burgschweinsberg.de

Alle Bilder stammen von E. Damm, falls nicht anders vermerkt.

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Georg Landau, "Die hessischen Ritterburgen und ihre Besitzer", Cassel, Luckhardsche Hofbuchhandlung, 1832

Links die 4 Bände des Werks im Bücherschrank; der erste Band mit einem umfangreichen Teil über Schweinsberg und dem Schweinsberg Stich kam 1832 heraus, der 4. Band 1839
Dieser Stich im Landau von 1832 ist nicht sehr detailliert. Man kann aber deutlich erkennen, dass die Kemenate Reihen kleiner Fenster hatte. Das Dach ist flacher als heute und im Bereich der Ecktürmchen war ein (Fachwerk)Geschoss.
Landau schreibt ab Seite 236:

.......Gleich wie ein düsterer Schleier die Urgeschichte der Völker unseren Blicken entzieht und nur mythische Sagen und Fabeln einen dämmernden Schein hindurch fallen lassen, so liegt auch der Ursprung beinahe aller Uredelgeschlechter in einem Dunkel verhüllt, dessen Erhellung stets schwierig, ja unmöglich und deshalb der Versuch dazu meistens eine undankbare Mühe ist; - denn allen solchen genealogischen Gebäuden lässt sich selten ein festerer Grund geben als unverbürgte Sagen und schwankende Hypothesen. Auch über die Schenkische Familie ist eine Sage vorhanden, die deren Ahnherrn aus dem Auslande kommen lässt.

Diese Sage erzählt, daß ein Walter mit der heiligen Elisabeth aus Ungarn nach Hessen gekommen sey, sich hier eine Burg erbaut, und da er auf dem dicht verwachsenen Berge viele Schweine getroffen, sie Schweinsberg genannt habe. Dieser Walter sey nun der Stammvater der Schenke zu Schweinsberg.

Was auf diese Sage zu geben ist, brauche ich wohl nicht zu bemerken; sie trägt zu sehr das Gepräge aller derer, deren Quelle nur in törichter Eitelkeit oder in niedriger Schmeichelei zu suchen ist. Erst die Chronisten des sechzehnten und siebenzehnten Jahrhunderts gedenken ihrer und nicht ein einziger aus früherer Zeit.

Es war früher eine gewöhnliche Meinung, daß die von Schweinsberg erst nach der Trennung der Länder Thüringen und Hessen, wonach letzteres eigne Fürsten erhielt, von dem ersten derselben mit dem Erbschenken-Amte beliehen worden seyen; doch da man später aus einer alten Urkunde entdeckte, daß sie schon früher, unter den Landgrafen von Thüringen und Hessen, dieses Amt bekleidet, mußte jene Annahme wegfallen. Da aber die alten thüringschen Erbschenken die mächtigen Herren von Vargilia waren, und nicht zwei Familien an einem Hofe ein und dasselbe Amt zugleich bekleiden konnten,- so wußte Kuchenbecker* diese Schwierigkeit nicht anders zu heben, als daß er die Schenken zu Schweinsberg zu einer Linie der Schenken von Vargilia machte, die sich aus Thüringen entfernt und mit ihrer Niederlassung in Hessen auch ihren Namen geändert. Diese Annahme mußte jene Sage auch noch bekräftigen, da ein Walter von Virgilia sich unter denen befand, welche zur Abholung der heil. Elisabeth nach Ungarn gesandt wurde, um sie nach Thüringen zu geleiten. Diese Gründe schienen ihm genügend, wenn sich auch in der Geschichte der von Vargila nirgends eine Spur einer solchen Linienabteilung fand.

Eigentliche thüringsche Erbschenken konnten freilich die von Schweinsberg nicht seyn, aber wohl für die hessische Provinz. Nachdem Hessen durch das Aussterben der Grafen von Gudensberg mit Thüringen verbunden, wurde es immer noch als ein besonderes Land betrachtet. Beinahe die ganze Zeit des thüringschen Besitzes wurde Hessen von einem jüngeren Bruder des Landgrafen verwaltet. Dieser hatte seinen Sitz in Hessen und hielt sicher einen eignen Hofstaat, an dem unmöglich die höheren Hofbeamten fehlen konnten, da selbst blose Grafen deren hatten. Also hatte er auch Schenke - und läßt sich da nicht annehmen, daß die von Schweinsberg dieses Amt bekleidet? Zwar findet sich der erste Schenk zu Schweinsberg erst unter dem letzten Landgrafen Heinrich Raspe IV.,der beide Lande allein regierte, aber er konnte ja schon früher, allenfalls schon unter Conrad, dazu bestellt seyn und nun auch bei dem Alleinherrscher wohl nicht allein den Titel führen, sondern auch bei dessen Aufenthalthe in Hessen sein Amt verrichten. Diese Annahme hat sehr vieles für sich, denn sie ist natürlich und auch jene Urkunde, welche der Schenke zuerst gedenkt, ist in Hessen ausgestellt und betraf das Kloster Arnsberg.

Aber auch jene Herleitung der Familie wird durch eine Urkunde beseitigt, welche uns zeigt, daß die Schenke zu Schweinsberg aus einer niederadeligen Familie von Marburg entsprossen sind, deren mir bekannte Glieder ich deshalb auch zuerst aufführen werde. Diese Familie, welche jedoch nicht mit der im Hofe (in Curia), da einzelne Glieder derselben sich gleichfalls von Marburg nannten, verwechselt werden darf, hatte ihren Namen von ihrem Hauptsitze, der Stadt Marburg. Sie scheint hier zu den Patricierfamilien gehört zu haben, da sie sich oft in dera daßigen Stadtrathe findet. Schon im Anfange des dreizehnten Jahrhunderts scheint sie im Besitze des Schlosses Schweinsberg gewesen seyn, denn noch ehe sich die Linie, welche sich von Schweinsberg nannte, von dem Hauptstamme trennte, findet man schon einige Personen, die sich nach dem Schlosse Schweinsberg benannten und höchstwahrscheinlich zu dieser Familie gehörten.

Richer von Marburg findet sich schon im Jahre 1151. sowie Christian im Jahre 1171.

Guntram und Ludwig empfingen 1225 die Zehnten zu Münchhausen und Wollmar als mainzische Mannlehen, welche noch bis auf unsere Zeit sich bei der Familie erhalten haben. Guntram bezeugte 1227 zu Marburg eine Urkunde des Landgrafen Heinrich von Thüringen und der Grafen von Battenberg; war 1233 bei einem Vergleiche des Landgrafen Conrad mit den Grafen von Ziegenhain und in demselben Jahre auch noch in einer anderen Urkunde desselben Landgrafen. Sein Sohn war Kraft von Schweinsberg, auf den ich später zurückkommen werde.........

* Kuchenbecker, Johann Philipp: Gegründete Abhandlung von denen Erb-Hof-Aemtern der Landgraffschaft Hessen, aus bewährten Geschicht-Schreibern, vielen noch nie gedruckten Urkunden und zuverläßigen Nachrichten entworffen, und mit nöthigen Beweisthümern, wie auch verschiedenen in das Staats- und Lehen-Recht einschlagenden Anmerckungen versehen, Marburg 1744.

Hier nun eine Version der frühen Geschichte der Schenken aus dem Buch von Dr. Komp. Das Buch handelt vom Fuldaer Fürstabt Johann Bernhard Schenk zu Schweinsberg, der am 15. November 1632 in der Schlacht bei Lützen von einer Kugel tödlich getroffen wurde. In derselben Schlacht fielen auch der schwedische König Gustav Adolf und Gottfried Heinrich Graf zu Pappenheim .

II. Herkunft und Jugend. 

Das Geschlecht der Schenk zu Schweinsberg ist eines der ältesten in Hessen. Es entstammt keineswegs den Schenk von Thüringen, den Vargila, wie Peckenheim in seinem Theatrum Saxon und Winkelmann* in seiner Geschichte Hessens wollen, was allein schon die Verschiedenheit der beiderseitigen Wappen erweist. Sind aber die Schenk nicht durch Walter von Vargila, der im Auftrage Hermanns das Kind Elisabeth aus Ungarn holte und nach Ueberführung der Leiche Ludwigs die Wittwe und Waisen gegen die Gewaltthat Heinrichs Raspe schützte, mit dem Leben dieser liebenswürdigen Heiligen verbunden, so erscheint doch ein Schweinsberg in der Geschichte derselben, da nach einer in den „Mittheilungen“ an die Mitglieder des Vereins für hessische Geschichte und Landeskunde N. 14  Juli 1864**, vertretenen Ansicht ein Schenk, nicht ein Dernbach in den Todtschlag des Meisters Konrad von Marburg***, ihres Seelenführers, verwickelt war. Auch kamen sie nicht im Gefolge der Königstochter aus Ungarn. Sie sind vielmehr geborene Hessen. Bereits um die Mitte des 12. Jahrhundert hatten sie ihren Sitz im Dorfe Ulfa an der Nidda im Vogelsberg und waren schon bald darauf in Schweinsberg, indem eine Urkunde vom Jahre 1249 einen Krato oder Kraft de Schweinsberg anführt, der vom Erzbischof Christian II. von Mainz zum Burgmann in Amöneburg bestellt wurde.

Zum Erbschenken-Amt gelangte die Familie der Schweinsberg unter dem Landgrafen Heinrich, genannt das Kind, der sie in einem Dokumente pincernae nennt und sehr in Ehren hält. Von den Landgrafen Hessens und den Kurfürsten von Mainz, selbst von Kaisern, wie Ludwig dem Bayer und Maximilian I., der einem Schenk sein kostbares Schwert verpfändete, hochgeschätzt, gelangte die zahlreiche Familie zu großer Bedeutung und ansehnlichem Vermögen. Die Jahreseinkünfte des Zehnten zu Niederohmen, Kirdorf, Grünberg, Fronhausen, Oberweimar u.s.w. und der Lehen beliefen sich nach Estor um die Mitte des 18. Jahrnunderts auf die Summe von 35.000 Gulden. Im Jahre 1481 erhielt Johann Schenk, hessischer Rath und Marschall, nachmaliger Landesregent zu Kassel, Schloss und Amt Hermannstein zu Lehen. Dieses Schloss, dass vom Landgrafen Hermann gegen Nassau und Solms erbaut worden war, hatte Landgraf Heinrich im Jahre 1466 mit allem Zubehör an Ludwig von Mudersbach und seine Ehefrau Liese für 200 rheinische Gulden in einem Schuldbrief und 700 Gulden baar auf 32 Jahre verpfändet und dann an den oben genannten Johann Schenk, der es von der Wittwe Muderbachs gegen Zahlung von 900 Gulden cediert erhalten hatte, als ein um 4000 Gulden an Hessen heimfallendes Lehen vergeben. Die Solmsischen Ansprüche auf die Hälfte des Hermannstein wurden dadurch geschlichtet, dass die Grafen von Solms dieselbe vom Landgrafen zum Lehen nahmen und sie sofort wieder den Schenk zu Schweinsberg in Afterlehen gaben. Der Hermannstein blieb bei den Descendenten des Marschalls und ist die Veranlassung zur Benennung der Hermannsteiner Linie. Auf die Schenkschen Gesammt-Gerechtsamen und insbesondere auf den Besitz zu Schweinsberg und selbst den Namen hatte diese Benennung durchaus keine Wirkung und nur in einer Beziehung waltet ein Unterschied ob. Da nämlich die Ausübung aller Rechte und die Befriedigung aller Lasten nicht so leicht von allen Ganerben gemeinsam besorgt werden konnte, so war den beiden Aeltesten der vielverzweigten Familie das Amt der „Baumeister“ übertragen worden. Im Laufe der Zeit wurde nun Einer der beiden Baumeister immer von der sog. Hermannsteiner Linie entnommen. Der Aelteste von Beiden überkam das Amt und den Namen des Erbschenks, der Andere hiess der Baumeister. Nach Massgabe des Alters konnte also der Erbschenk mehrere Male nach einander derselben Linie angehören.Die nahen Beziehungen zu Hessen, namentlich zum Landgrafen Philipp dem Großmüthigen, der zwei Schenk, Ruprecht und Rudolf, im Jahre 1530 zum Tage nach Augsburg, zur Ueberreichung der Confessio Augustana,, mitgenommen und während seiner Haft ein Glied dieser Familie zum Statthalter gewählt hatte, deuten darauf hin, dass das Geschlecht der Schenk der Lehre Luthers anhing. Im Jahre 1624 widerstand es ausnahmslos den Bemühungen des Landgrafen Moritz, welcher die Einführung der reformirten Religion**** sich zur Aufgabe gestellt hatte. Der von Moritz bestellte reformirte Pfarrer sah sich genöthigt, Schweinsberg wieder zu verlassen, weil weder ein Glied der Familie noch ein Bürger der Stadt Schweinsberg in seine Kirche ging, sondern Alle, Bürger und Barone, auf dem Schlosse eigenen Gottesdienst hielten. Nur der am 12. October 1731 als Erbschenk und Würzburgerischer Geheime Rath und Oberamtmann zu Lauda verstorbene Hans Rudolf aus der Hermannsteiner Linie war in seiner Jugend zur katholischen Kirche zurückgetreten und hatte die noch blühende katholische Ofleidener und Fronhäuser Linie gegründet. Indessen hatten wohl anfänglich nicht alle Glieder der zahlreichen Familie die alte Kirche verlassen, sondern es mochten Einige aus Ueberzeugung katholisch geblieben oder auch wegen der Anwartschaft auf die Pfründen der Kapitel in der katholischen Religion belassen oder erzogen worden sein..........

* J. J. Winkelmann: Gründliche und wahrhafte Beschreibung der Fürstenthümer Hessen und Hersfeld. Bremen 1697.

** Der Verein für hessische Geschichte und Landeskunde existiert noch. Einer der Mitbegründer war Georg Landau

** *Konrad von Marburg, Kreuzzugsprediger und Inquisitor, der im Auftrage des Papstes Männer im waffenfähigen Alter zum Kreuzzug anwarb, wurde 1226 Beichtvater der Landgräfin Elisabeth von Thüringen, auf welche er nach dem Tod ihres Gemahls (1227), als sie sich nach Marburg zurückgezogen, einen großen Einfluß ausübte, und die er ganz für seine asketische Richtung gewann. Gelehrt, beredt und unsträflichen Wandels, aber auch einseitig und herrschsüchtig, wollte er alles seiner mönchischen Askese unterwerfen und jede Abweichung von den kirchlichen Grundsätzen mit Feuer und Schwert bekämpfen. Auf dem Heimweg von Mainz nach Marburg - nach einer erfolglosen Anklage gegen den Grafen von Sayn wegen Ketzerei - wurden Konrad und seine Diener am 30. Juli 1233 von Gefolgsleuten des Grafen von Sayn in der Nähe von Beltershausen bei "Hof Capelle" erschlagen. Nach einem Aufsatz von Hermann Müller, Mitglied der GGH (Gesellschaft für Geschichte und Heimatkunde von Bendorf und Umgebung e.V.) über den Ketzerprozess gegen Graf Heinrich III. von Sayn waren an der Erschlagung Konrads die Ritter von Dernbach, Herborn und Schweinsberg beteiligt. Sie wurden später in Frankfurt zu milden Strafen verurteilt.

**** Es handelt sich hier um die sog. „Zweite Reformation“, bei der Luthers Reformation der Lehre durch eine umfassende Reform des Lebens ergänzt werden sollte. Dazu wurden calvinistische Ideen aufgegriffen. Moritz trat 1605 zum Calvinismus über. Gemäß dem Augsburger Religionsfrieden (zwischen Lutheranern und Katholiken) versuchte Moritz, seinen Untertanen die neue Religion aufzuzwingen.

Hier die Version nach Quellen von Landau, Dehio und Eckhardt:

Im 12. Jahrhundert war das Gelände des heutigen Schweinsbergs noch Eigentum derer v. Merlau und gelangte durch die Heirat des Ritters Guntram Vogt mit einer Schwester des Ritters Eberhard v. Merlau in den Besitz der späteren Schencken zu Schweinsberg. Es war die Zeit des Hochmittelalters. Hessen gehörte noch zu Thüringen. 1230 war Walther von der Vogelweide gestorben, im November 1231 die heilige Elisabeth von Thüringen. Kurz danach begann der Sohn Guntrams, der landgräflich thüringische Burgmann Guntram v. Marburg und v. Grünberg, eine Burg auf dem kleinen Basaltkegel zu bauen. Guntram nahm den Namen "von Schweinsberg" an und wurde vom letzten Landgrafen von Thüringen, dem deutschen König Heinrich Raspe, Schwager der heiligen Elisabeth, zum hessischen Erbschencken bestellt. Die drei Söhne von Guntram machten Burg Schweinsberg 1279 dem Landgrafen Heinrich I. von Hessen lehnbar.

Von der ersten Burg, der sog. Oberburg, existieren heute nur noch Ruinen, die innerhalb der heutigen inneren Zwingermauer liegen. Die Oberburg war sehr klein mit einer vieleckigen Ringmauer und einem mächtigen Turm, dessen runde Innenwandung noch zu sehen ist. Vermutlich war die Oberburg von einem Zwinger umgeben, dessen feste Umzäunung im Bereich der heutigen inneren Zwingermauer verlief. Im Innenraum der Oberburg werden leichte Wohnhäuser gestanden haben.

Um den Basaltkegel der Burg herum entstand im 2. Drittel des 13. Jahrhunderts das heutige Städtchen Schweinsberg mit einem regelmäßigen Grundriss, den sicherlich die Schencken geplant haben. Zwischen 1256 und 1264 wurde die St. Stephanskirche gestiftet.

Die strategische Bedeutung von Burg Schweinsberg ist unverkennbar. Auf dem Basaltkegel gelegen und inmitten eines Sumpfgebietes war sie praktisch uneinnehmbar. Ihre Bedeutung errang Burg Schweinsberg durch ihre Lage am "Dreiländereck", gebildet durch das Kurfürstentum Mainz (Umgebung von Amöneburg) und den Landgrafschaften Hessen-Darmstadt (Homberg Ohm) und Hessen-Kassel (nach 1567). Die Schencken standen mal auf dieser und mal auf jener Seite und konnten durch diese geschickte Politik ihre Unabhängigkeit bewahren (Eckhardt). Tatsächlich war Schweinsberg nach 1567 jahrhundertelang eine Enklave, von Kurmainz und Hessen-Darmstadt eingeschlossen (Anm. des Verfassers).

Um 1482 wurde die Burg durch den landgräflichen Festungsbaumeister Jakob v. Ettlingen ganz erheblich erweitert und den neuesten Erfordernissen angepasst. Eine gewaltige äussere Zwingermauer entstand, gesichert durch 3 halbrund vorspringende Türme und den mächtigen Hexenturm, direkt vor Conrads neuer Kemenate. Die Kemenate wurde zwischen 1459 und 1497 durch Conrad Schenck zu Schweinsberg, Amtmann zu Lich, erbaut. Der viereckige Torturm an der Nordseite (Pulverturm) entstand ebenfalls in dieser Zeit. Seine Ruine trägt heute noch die Jahreszahl 1482. Dem Haupteingang wurde eine rechteckige Vorburg vorgelagert, deren Eingang von einem runden Wehrturm gedeckt wurde. Dieser Ausbau ihrer Burg machte die Schencken noch unabhängiger.

Um 1530 wurde mit dem Bau des Fähnrichsbaus rechts vom Haupteingang (unmittelbar auf der äusseren Zwingermauer) begonnen. Auf dem Renaissance Kapitell in der Halle des Fähnrichsbaus ist die Jahreszahl 1552 eingemeißelt, wohl das Jahr der Fertigstellung. Es ist anzunehmen, dass an dieser Stelle vorher schon ein Haus gestanden hat. Im sehr tief liegenden Gewölbekeller finden sich ältere Fundamente. Der im Bau befindliche Fähnrichsbau wurde in den 1530er Jahren an 3 Schenck'sche Brüder verkauft (Rudolf, Rupert und Hermann), damit sie mehr Wohnraum auf Burg Schweinsberg zur Verfügung hatten. Ihnen wurde ein Wegerecht zum Fähnrichsbau eingeräumt. Sie mussten sich bereit erklären, den Zugang zum Fähnrichsbau zu gestatten, wenn es zur Verteidigung der Burg nötig sein sollte. Ein weiteres Haus der drei Hermannsteiner Brüder lag auf der anderen Seite des Haupteingangs und gehörte bereits ihrem Vater. Von diesem Haus ist heute nur noch ein Keller erhalten.

Zu Beginn des 30 jährigen Kriegs (1618-1648) hatte der Ausbau von Burg Schweinsberg seinen Höhepunkt erreicht. Das damalige Aussehen der Burg muss imposant gewesen sein, wenn man sich etwa von einer der umgebenden Höhen näherte. Der Kupferstich aus dem Jahr 1623 gibt einen Eindruck davon. Schon auf den ersten Blick enthält dieser Stich gravierende Fehler in der Anordnung der Ortschaften zur Burg. Offensichtlich wurde die sicherlich getrennt erstellte Zeichnung der Burg in das Landschaftsbild mit den Ortsbezeichnungen eingefügt und dabei nicht beachtet, dass man von Mardorf aus die Rückseite (Südseite) der Anlage sieht und nicht die Vorderseite. Vermutlich hat das damals (vor dem Zeitalter der Aufklärung) auch niemanden gestört. Die Burg selbst scheint einigermaßen richtig wiedergegeben zu sein, mit der Ansicht von Norden auf die Vorburg. Das Gebäude ganz rechts innerhalb der Mauern müsste der Fähnrichsbau sein. Es kann nicht die Kemenate darstellen, da sonst der mächtige Hexenturm unmittelbar davor stehen müsste. Der Fähnrichsbau hatte damals Zinnen und einen Eckturm, dessen Sockel heute noch erhalten ist.

Der wohl schwärzeste Tag für Schweinsberg und seine Burg war der 6. Juli 1635, mitten im 30-jährigen Krieg. Schweinsberg wurde von seiner Besatzung angezündet und brannte bis auf ein einziges kleines Haus nieder (Das älteste Haus Schweinsbergs, welches heute noch existiert). Der Brand war so gewaltig, dass er auf die Häuser der Burg übergriff. Die wenigen Überlebenden Schweinsbergs flohen nach Homberg. Elf Jahre später, 1646, standen sich das hessisch-schwedische und das kaiserlich-bayerische Heer wieder zwischen Kirchhain und Homberg gegenüber. Ein entscheidendes Gefecht fand nicht mehr statt, die Kaiserlichen eroberten aber Schweinsberg und die Burg. Durch die Nachlässigkeit eines Sergeanten der kaiserlichen Besatzung wurde ein Teil der Burg in die Luft gesprengt, wahrscheinlich der Torturm (Pulverturm) und ein Teil der Zwingermauer. Danach fiel Schweinsberg wieder in die Hände der Niederhessen. Landgräfin Amalie Elisabeth verfügte nun die völlige Schleifung aller Befestigungswerke der Burg, trotz Bemühungen der Schecken, ihre Stammburg vor dem Untergang zu bewahren (siehe Landau). Die Burg sollte den Kaiserlichen nicht mehr als Bollwerk dienen. Große Teile der Burg wurden niedergerissen oder gesprengt. Die mittelalterliche Burg Schweinsberg war untergegangen.

Conrads neue Kemenate wird bei dieser Aktion wohl verschont worden sein. Bereits 1637 war mit der Wiederherstellung der Kemenate begonnen worden. In einem Vertrag vom 3.6.1642 tauschte Ludwig Schenck seinen Anteil an dem "steinernen reparierten Bau auf dem Schloss" an seinen Bruder Johann Eberhard. Die Kemenate kam so an die jüngere Schweinsberger Linie. Ein Nachkomme dieser Linie bewohnt heute eine der Wohnungen in der Kemenate.

Auch der Fähnrichsbau wurde unmittelbar nach dem 30-jährigen Krieg wieder aufgebaut, wie aus einem Erbteilungsvertrag zwischen den 3 Söhnen Reinhards Schenck zu Schweinsberg vom 6.8.1651 zu ersehen ist. Dabei erhielt Johann "das Haupthaus auf der Burg (Fähnrichsbau) auf der rechten Hand am Eingang des Tors samt dem daran noch freien angehörigen Platz wie selbiger Bau jetzt in Dach und Fach bestellet und noch nicht ausgebaut". An der Rückseite des heutigen Fähnrichsbaus, die durchgehend aus Stein ist, erkennt man noch die Lage der ursprünglichen Zinnen. Offensichtlich wurde die alte Rückwand mit Steinen anderer zerstörter Gebäude aus dem "Steinbruch Burg" nach oben gemauert. Auch die Seitenwände des Fähnrichsbaus im 1. und 2. Stock sind in ihrem hinteren Drittel aus Stein. Die vorderen zwei Drittel des Fähnrichsbaus wurden in Fachwerk ausgeführt. Der ursprüngliche Fähnrichsbau war, nach Lage der Zinnen zu urteilen, einstöckig (vom Hof betrachtet).

Am 3.4.1697 erhielt Johann Otto Reinhard Schenck zu Schweinsberg (aus der Hermannsteiner Linie) den Fähnrichsbau durch Erbteilung. Der Sohn von Otto Reinhard, der Fähnrich Georg Ludwig Wilhelm Schenck (1710 - 1748), gab dem Fähnrichsbau den Namen. Aus dem Konkurs des Fähnrichs erwarb der Schenck'sche Samtbau den Fähnrichsbau und von diesem 1745 Johann Georg Wilhelm Schenck aus der jüngeren Schweinsberger Linie.

Die Kemenate war 1852, als sie vom Obergerichtsrat Moritz Frhr. Schenck zu Schweinsberg umgebaut wurde, jahrzehntelang nicht mehr bewohnt gewesen. Moritz war der älteste von 4 Brüdern und hatte die Kemenate durch Verlosung und mehrfachen Tausch erhalten. Unter der Leitung des Marburger Architekten Prof. Lange erhielt die Kemenate einen neugotischen Anbau. Das 4. Stockwerk der Kemenate (aus Fachwerk) wurde abgetragen, das Dach wurde steiler. Anstelle des Fachwerkgeschosses wurden große Gauben eingesetzt. Die Zahl der kleinen Gauben wurde vergrößert. Die Fenster im steineren Bereich wurden erheblich vergrößert. Im 1. Stock der alten Kemenate wurden aufwendige neugotische Einbauten vorgenommen (siehe Bild links). Obwohl die Umbauten den Stil der alten Kemenate erheblich verfälscht haben, entsprachen sie der damaligen romantischen Vorstellung von der Gotik. Parallel zu den Umbauten wurde auch der Garten neu angelegt, von dem Landau schwärmerisch berichtet. Burg Schweinsberg ist durch diesen radikalen Umbau heute eher ein bedeutendes Beispiel für den Historismus als für eine spätmittelalterliche Burg. Nur der Fähnrichsbau ist in seinen Steingeschossen unverfälscht. 1950 wurde versucht, der Kemenate etwas von ihrem ursprünglichen Aussehen zu geben, indem einige Dachgauben entfernt wurden. Diese untaugliche Maßnahme hat lediglich bewirkt, dass leider die Originalität des historistischen Umbaus beeinträchtigt wurde.

1982 übernahmen die Familien Müller/Damm den Fähnrichsbau als 99 Jahre Erbpacht, mit der Verpflichtung, ihn wieder bewohnbar zu machen. Zum Betreten des Fähnrichsbaus wurde ihnen ein Wegerecht innerhalb der Burg eingeräumt. Am 1.1.2000 erwarben diese Familien den Fähnrichsbau, den daran anschließenden Hof und große Teile des äusseren Zwingers.

Ebenfalls zum 1.1.2000 wurde die Kemenate in 5 Eigentumswohnungen umgewandelt und von Grund auf restauriert.



Geschichte von Burg Schweinsberg

Die hier verwendeten Quellen zur Beschreibung der Geschichte von Burg Schweinsberg sind sekundär, d.h. die folgenden Texte stützen sich auf Veröffentlichungen von Autoren, die ihrerseits in primären Quellen geforscht haben.

Die Geschichte der Schenken, der Begründer von Burg Schweinsberg, wird in den Quellen unterschiedlich beschrieben. Besonders vor der Entstehung von Burg Schweinsberg gibt es mindestens zwei Versionen über die Herkunft der Familie.

--- Weiter unten wird eine Version aus dem Buch von Dr. Komp von 1878 wiedergegeben.

--- Danach folgt ein Textstück aus "Die hessischen Ritterburgen" von Georg Landau von 1832" und

--- ein kurzer Text aus "Das Kurfürstenthum Hessen, Darmstadt 1852".

--- Die heutige Situation in Burg Schweinsberg ist hier kurz beschrieben!

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