Die alten Dielen wiesen durch Schrumpfung breite Spalten auf. Diese Spalten wurden auf eine konstante Breite gefräst, in die konisch geschnittene Leisten einseitig eingeleimt wurden. Dann wurde der Boden abgeschliffen. Er wurde nicht versiegelt, sondern geölt und gewachst, um auch weiterhin lokal Schäden beheben zu können, die durch das Beheizen der Räume unausbleiblich sein werden.

Im Fähnrichsbau waren alle Holzfußböden 1983 noch versiegelt worden. In nur 10 Jahren traten einerseits erhebliche Schäden an den stärker beanspruchten Stellen auf, andererseits waren durch Schrumpfung der originalen Dielen (als Folge der regelmäßigen Beheizung) breite Spalten entstanden. Einen so geschädigten Boden kann man nicht ausbessern, sondern muss ihn komplett abschleifen und neu versiegeln. Bei jedem Abschleifen gehen aber einige Millimeter Bohlendicke verloren, so dass der Boden irgendwann komplett ersetzt werden muss. Aus diesem Grund werden die Böden im Fähnrichsbau jetzt auch geölt und gewachst.

Der alte Treppenturm der Kemenate wurde mit einem dünnen Putz und Anstrich versehn.
Renovierung Kemenate

Die Renovierung der Kemenate erschien zunächst einfacher und weniger kostspielig, als die Renovierung des Fähnrichsbaus. Es stellte sich jedoch bald heraus, dass die Kemenate schwere Schäden am Dach aufwies. Der Zustand der Wohnungen im Dach, 2.Stock und Erdgeschoss war sehr schlecht. Diese Bereiche waren lang nicht mehr bewohnt oder genutzt worden. Wassereinbrüche hatten große Schäden angerichtet. Die gesamte Kemenate hatte ein völlig veraltetes Leitungssystem ( Wasser, Abwasser, Elektrik). Die Elektrik war teilweise abenteuerlich kreuz und quer durch das Haus verlegt. Die Abwasser der Kemenate landeten in einer Sickergrube, unmittelbar vor dem Gebäude. Die Umgestaltung der Wohnflächen in insgesamt 5 abgeschlossene Wohnungen erwies sich als langwieriger Prozess mit Denkmalpflege und Kreisbauamt. Insbesondere die Berücksichtigung der Brandschutzbestimmungen erwies sich als schwierig. Zwei Fluchtwege für jede Wohnung mussten ausgewiesen werden. Durch all diese Umstände dauerte die Wiederherstellung der Wohnungen 4-5 Jahre, eine große Belastungsprobe für das Durchhaltevermögen der betroffenen Familien.

Rittersaal (oben) und Eingangshalle (rechts) sind gemeinschaftliches Eigentum aller Wohnungseigentümer in der Kemenate. Beide Räume wurden erst 2004/2005 renoviert (hier noch unrenoviert). Eine erste Untersuchung ergab, dass in beiden Räumen teilweise noch der originale mittelalterliche Putz vorhanden ist. Die Renovierungskosten für diese Räume sowie die beiden Treppenhäuser wurden auf die Wohnungseigentümer gemäß ihrer Anteile umgelegt. Wie die Vergangenheit gezeigt hat, ist eine einzige Familie im allgemeinen finanziell überfordert, solch aufwendige Renovierungen allein zu bezahlen. Dazu kommt noch der Umstand, dass die Denkmalpflege zwar sehr stark bei den Renovierungen mitbestimmt, jedoch nicht mehr in der Lage ist, solche Projekte finanziell zu unterstützen. Rein wirtschaftlich gesehen, "rechnen" sich solche Instandsetzungen nicht.
In einer Nische des Kellers wurde ein gigantischer Nachtspeicherofen aufgestellt. Seine Schamottsteine können bis auf 650 Grad erhitzt werden. Von diesem Ofen gehen Warmwasserleitungen zu fast allen Stockwerken, um dort die Heizungssysteme zu speisen.
Die Diele (oben und rechts, aus zwei gegenübliegenden Blickwinkeln) der Wohnung in der 2. Etage war in einem sehr schlechten Zustand. Der alte Dielenboden war mit einem Teppichboden verklebt. Auf der Fensterseite war die Decke abgehängt und ein eigener Raum abgeteilt. Im Bereich der Eingangstüre war die Decke und ein Teil der Wand durch schwere Wasserschäden zerstört - Wasser, welches durch das undichte Dach durch die gesamte Dachwohnung darüber bis hierher vorgedrungen war. Leider war der Putz insgesamt so angegriffen und bröselig, dass er großflächig saniert werden musste. Auf dem Bild oben ist bereits eine neue schwere Eichentüre eingebaut (zusätzlich zur vorhandenen Türe), welche die Wohnung zum Treppenturm abschließt. Rechts auf dem Bild sieht man am rechten Bildrand die aufgeschlagene Originaltür aus Fichte. Sie war an ihrer Aussenseite ursprünglich vermutlich mit Bierfarbe gestrichen .
Im Weinlaubzimmer des 2. Stocks wurde ein besonderer Aufwand getrieben, um die vorhandene Tapete und alle Farbgebungen zu erhalten. Es muss jedoch davon ausgegangen werden, dass der dunkelbraune Anstrich der Täfelung mit Sicherheit nicht original ist. Im ganzen 2. Stock gab es keinen einheitlichen Befund (von weißem bis dunkelbraunen Anstrich war alles vertreten). An verdeckten Stellen und unter abgeplatzter weisser Farbe fanden sich jedoch Reste eines Bierfarbenanstrichs.
Am gesamten Dach mussten praktisch alle auf dem darunter liegenden Gemäuer aufliegenden Balken erneuert werden. Diese Balken waren u.a. dadurch zerstört worden, dass sich hier rund herum die Nester großer Vögel wie Dohlen und Schleiereulen befanden. Von solchen Nestern geht erheblich Feuchtigkeit in das umliegende Holz. Außer den Nestern waren es zahlreiche Leckstellen am Dach, durch die das Wasser viele Jahre lang eindringen konnte.

Die Sanierung das Dachs der Kemenate und ihres Anbaus durch Zimmerleute und Dachdecker verursachte die höchsten Kosten im gesamten Projekt.
Auf dem Bild sieht man einen "neuen" Querbalken aus Eiche , der von den Zimmerleuten eingesetzt wurde.
Solche Balken kommen oft aus dem Abbruch anderer Fachwerkhäuser.